Chess Tigers / Maria Emelianova
Niclas Huschenbeth: Als Sekundant abgewiesen, als Unternehmer erfolgreich
Vom WM-Sekundanten zum erfolgreichen Unternehmer: Im aktuellen Schachtalk spricht GM Niclas Huschenbeth über das Ende seiner Arbeit für Hikaru Nakamura, den Aufstieg seiner Schüler und warum er heute andere Prioritäten setzt als die WeltranglisteHinter den Kulissen: Laptop-Kühlung im Kleiderschrank
Das Gespräch mit Co-Moderator Jonathan Carlstedt startete mit einem Blick zurück auf die gemeinsamen Zeiten beim Hamburger SK. Jonny erinnerte sich an Niclas als einen der wenigen Kollegen, mit denen er sich problemlos ein Zimmer teilte. Huschenbeth steuerte dazu ein technisches Detail aus dem Profi-Alltag bei: Um seinen Laptop während stundenlanger Engine-Berechnungen vor dem Hitzetod zu bewahren, zweckentfremdete er Hotel-Kleiderschränke als vertikale Halterungen für die Hardware.
Strategiewechsel: Wenn Türen sich schließen
Lange Zeit war Niclas Huschenbeth eine zentrale Figur im Vorbereitungsteam von Hikaru Nakamura. Doch beim nächsten Kandidatenturnier wird er nicht mehr dabei sein. Nakamura wolle für seinen vermutlich letzten Anlauf auf die Krone personelle Veränderungen vornehmen. Auch ein Angebot an Matthias Blübaum blieb ohne Zusage, da dessen Team bereits komplett besetzt war. Huschenbeth verfolgt das Geschehen nun als interessierter Beobachter und hat Blübaum bereits erste inhaltliche Impulse für dessen Vorbereitung übermittelt.
Chessence: Von Vizemeistern und Pionieren
Dass Huschenbeths didaktisches Konzept funktioniert, zeigen die Erfolge seiner Online-Schachschule:
- Christian Glöckler: Das Ausnahmetalent nutzte die Chessence-Masterclass als Basis für seinen Weg zum deutschen Vizemeistertitel.
- Jan-Henric Buettner: Der Unternehmer startete als Schüler bei Niclas, was schließlich zur Gründung der Freestyle Chess Bewegung führte. Huschenbeth fungierte hier als entscheidender Netzwerker und vermittelte Buettner an Sebastian Siebrecht. Während das Finale in Südafrika ein Meilenstein war, bleibt Niclas bezüglich der Termine für 2026 zurückhaltend – konkrete Bestätigungen für eine Fortsetzung stehen noch aus.
Neue Freiheit: Der „Schachtourist“
Den Abschied aus dem deutschen Nationalkader (wegen der verfehlten 2620er Elo-Hürde) sieht Huschenbeth gelassen. Das Ziel, die Top 100 der Welt zu stürmen, hat er offiziell zurückgestellt, um Gesundheit und sein Unternehmen nicht zu opfern. Als selbsternannter „Schachtourist“ freut er sich stattdessen auf Turniere in Guatemala und Brasilien, bei denen das Reiseerlebnis und die pure Freude am Schach über dem Elo-Druck stehen.
Klare Worte zu „Tatort“ und „Total Chess“
Auch zu medialen Themen bezog Huschenbeth Stellung:
- Ein spannender Moment des Podcasts war die Beantwortung einer Zuschauerfrage zu Huschenbeths Cameo-Auftritt im „Tatort“. Die Zuschauerin wunderte sich darüber, dass in der Folge konsequent das Wort „Unentschieden“ verwendet wurde, während der Fachbegriff „Remis“ völlig fehlte.
Niclas erläuterte dazu, dass er diese Entscheidung für Mainstream-Produktionen unterstützt: In einem Format für Millionen Laien habe die unmittelbare Verständlichkeit Vorrang vor schachlichem Fachjargon. Sein Fokus bei solchen Dreharbeiten liege ohnehin an anderer Stelle: Er achte penibel darauf, dass die schachlichen Rahmendetails stimmen – allen voran der korrekte Aufbau des Bretts (weißes Feld unten rechts). - Kritik am neuen Format: Das Branding der „Total Chess World Championship“ bezeichnete er als „absolute Katastrophe“. Besonders kritisch sieht er, dass Schnellschach-Resultate über die Qualifikation für klassische Kandidatenturniere entscheiden, da hier völlig unterschiedliche Kompetenzen gefragt seien.
Ausblick: Das „Superjahr“ 2026
Für Schachfans prognostiziert Huschenbeth ein außergewöhnliches 2026. Mit dem Kandidatenturnier auf Zypern (inklusive Underdogs wie Blübaum, Jesipenko oder Javokhir Sindarow), der Schach-Olympiade in Usbekistan und der Weltmeisterschaft jagen sich die Highlights. Auch lokal wird es spannend: Bei der zentralen Bundesliga-Endrunde in Berlin wird Niclas voraussichtlich für den Hamburger SK selbst an das Brett gehen.
Terminhinweis: Der nächste Schachtalk findet am Sonntag, den 28. Dezember um 20:15 Uhr live auf dem Kanal der Chess Tigers statt. Während Michael Busse im Urlaub ist, übernimmt Jonathan Carlstedt die Moderation für einen großen Jahresrückblick.
